Sven Lachhein · Teufelshauch

Die ersten sechs Kapitel.

Unveränderter Auszug aus dem unveröffentlichten Manuskript.

Kapitel 1

Der Schatten

Berlin, 1900

Zu einer Zeit, als die Almstadtstraße Grenadierstraße hieß, roch es dort nach Essig und vergorenem Abfall. Außen an den Mietskasernen führten Treppen hinunter in Kohlenkeller. Kohlenkutscher schütteten ihre Fracht auf den Gehsteig, von wo die Briketts durch Schächte in die Kohlenbunker geschaufelt wurden. An den Türen jener Keller baumelten Schiefertafeln. Auf diesen war etwa „Brot“, „Butter“, „Konserven“ und so weiter auf deutsch oder jiddisch zu lesen. An einem dieser Abstiege hielt ein Hund Wache, der mit einer Eisenkette an einen Eisenzaun gefesselt war. Vor anderen Eingängen schwitzten runde Großmütter auf wackligen Schemeln und verbreiteten üble Laune. Sie bedurften keiner Ketten, ihre Behäbigkeit bannte sie an den Ort.

In dem Keller, den der Hund bewachte, verbarg sich ein Bücherantiquariat. Der Buchhändler hatte auf sein Schild an der Tür einen Vers aus Dantes Inferno gekritzelt.

Ihr, die ihr eintretet, laßt alle Hoffnung fahren!

Das Schriftbild verriet einen mit Delirium tremens gestraften Alkoholiker.

Wer den Mut aufbrachte, diese Tür zu öffnen, hörte ein Glöckchen bimmeln. Nur selten wagte sich jemand in dieses Loch. Hier und da glommen Talgfunzeln, die von ihren Dochten Rußfähnchen auf die Folianten hauchten. Ansonsten war es dunkel. Und dann, ganz unverhofft: eine Wendeltreppe. Die Stiege zog den Besucher in neun Kreisen in einen Eiskeller hinab, der bis zur Decke vollgestopft war mit alten Büchern. Man roch es sofort am Mäusekot. Die winzigen Häufchen dufteten nach Pergament, Eisengallustinte und Druckerschwärze. Auf einem Tisch lagen drei Holzpüppchen mit aufgemalten weißen Kleidchen und Wollfäden an den Köpfen; zwei schwarze Scheitel und ein roter Wuschelkopf.

Eine Funzel, die ihren Schein in den Raum bibberte, erleuchtete die Kulisse so geizig, daß man den Mann, der an einem Pult über einem Buch brütete, leicht übersah. Zudem verbarg er seinen mageren, von einer fahlen Lederhaut überzogenen Körper unter einem schwarzen Umhang. Er war ein Mensch, den die Einsamkeit mumifiziert hatte. Weil der Antiquar seinen Namen nicht preisgab, nannten ihn die Leute „den Schatten“.

Neben dem Buch wartete eine halbleere Flasche mit Kartoffelschnaps. Der Schatten klappte den Folianten zu. Dort würde sein Geruch wie ein Blümchen, das man zwischen die Seiten gelegt hatte, neben hochtrabenden Gedanken die Zeiten überdauern. Der Schnaps gluckerte durch den Flaschenhals. Diese Medizin wärmte das Herz fast wie die Umarmung eines geliebten Menschen. Zumindest glaubte er, daß sich Nähe so anfühlt. Wissen konnte er es nicht, denn er war nie geliebt worden.

Der Schöpfer hatte den Schatten mit einer solchen Häßlichkeit gezeichnet, daß die eigene Mutter sich vor ihm fürchtete und ihn nach der Geburt fortgab.

So kam es, daß er im Waisenhaus landete, wo man ihn zwar fütterte, aber nicht mit ihm sprach und ihn nicht in den Armen wiegte. Kaum daß er laufen konnte, machte er sich aus dem Staub und trieb sich auf der Straße herum. Bereits als Knabe entdeckte er den Branntwein für sich. Solange er trank, fror er nicht. Er lebte in den Tag hinein, bettelte, stahl und schlief. Tage, an denen er sich schon mittags bewußtlos soff, waren gute Tage. Wenn er nichts zu trinken hatte, wünschte er seinen Tod herbei.

Trotz aller Widrigkeiten war er zu einem Jüngling herangewachsen. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg, und er hatte davon im Suff nichts mitbekommen. Als seine Einsichtsfähigkeit zurückkehrte, schor man ihm die Haare kurz und bestäubte ihn mit Läusepulver. Dem Jungen brummte der Schädel.

„Kennste mich?“ Ein Kerl knuffte ihn in die Seite. Auch ihm schnitt man das Haar ratzekahl. „Icke, der Olle Fritze aus’m Bücherkeller!“

Der Groschen war gefallen. Olle Fritze aus dem Bücherkeller in der Grenadufke. Das war ein komischer Vogel. In der Grenadierstraße, wo man täglich um das Nötigste kämpfte, handelte er mit Büchern. Manchmal war der Junge die Treppe hinuntergestolpert, vor der seit Menschengedenken ein schwarzer russischer Königspudel Wache hielt. Dann pochte er an die Brettertür und schnorrte den Buchhändler um ’nen Groschen oder ’n Gläsken Schnappus an.

„Olle Fritze!“ Der Junge lächelte.

Plötzlich hatte er einen Freund, keinen im Delirium herbeihalluzinierten Geist, keinen Passanten, der ihm einen mitleidigen Blick oder ein paar Pfennige zuwarf, sondern einen Menschen, der Zeit mit ihm verbrachte.

Mit dem Tornister auf dem Rücken und dem Gewehr über der Schulter marschierten die beiden nach Westen. Von wenigen Feindberührungen abgesehen, war der Krieg schrecklich langweilig. Um sich die Zeit zu vertreiben, brachte Olle Fritze dem Gassenjungen das Lesen bei. Doch bei Paris riß dem Alten eine französische Artilleriegranate den Kopf ab.

Weil der Freund keine Verwandten hatte, beschloß der Junge, sein Vermächtnis zu hüten und den Laden fortzuführen. Lesen konnte er ja inzwischen, und zu lesen gab es im Keller in der Grenadufke genug. Nach dem Sieg war er wieder allein. Drei Jahrzehnte las und trank er in seinem Büchergrab, wo er grau wurde und wo ihm der Skorbut die Schneidezähne zog.

Auch heute verrottete er in seinem Loch. In der Außenwelt war Mittag, Sonnenschein, Kaiserwetter. Hier unten drückte ihm der Kartoffelschnaps auf Augen und Ohren. Die Zunge klebte am Gaumen.

Oben bimmelte das Glöckchen. Jemand verirrte sich in seinen Laden.

Andere Menschen, Gesellschaft!

Er war wieder nüchtern.

Kapitel 2

Der Rausch

Dem Klingeln an der Eingangstür folgte das Lachen eines Mädchens. In dem Kellerloch war alles dunkel und faulig, dem Tode näher als dem Leben.

O dieses Lachen!

Der Schatten schlürfte, als hinge er am Abfüllschlauch eines Weinballons. Der Geruch des Mädchens sank die Wendeltreppe hinab.

Köstlich.

Ein Duft, wie ihn die Seraphim verströmen, wenn sie Gottes Thron umschweben, haute ihn um. Härter als der gepanschte Schnaps seines Nachbarn. Und besser.

Seit der Heimkehr aus Frankreich hangelte er sich erst recht von einem Rausch zum nächsten.

Diesmal war es anders. Dem Zusammenbruch folgte eine Offenbarung. In seinen Adern sprudelte das Blut.

Das Mädchen war nicht allein. Es kam in Begleitung eines Mannes, gewiß des Vaters. Und dann war da noch einer, ein nach Zobel und Rotwein riechender Störenfried.

Schwindel, Ohnmacht ...

Alle drei waren wieder fort.

Aber der Buchhändler konnte das Mädchen riechen.

Sonst war er lichtscheu am Tage und feige in der Nacht. Nicht heute. Auf allen vieren wagte er sich aus seiner Höhle.

Der russische Königspudel, der am Eingang Wache hielt, sprang auf und bellte. Der Gitterzaun schepperte.

Der Schatten ignorierte ihn und machte einen Satz auf die Straße. Er saugte sich mit der Nase am Kopfsteinpflaster fest und folgte der Spur des Mädchens.

Sein Verstand war perdu. „Eins, zwei, drei.“ Dennoch ratterte in seinem Inneren eine Kraft. „Vier, fünf, sechs.“ Sie trieb ihn mechanisch an. „Sieben, acht, neun.“ Er zählte jeden Schritt. „Zehn, elf, zwölf.“

Als er bei zehntausend ankam, witterte er Waffeln und gebrannte Mandeln. Die Schöße seines Mantels stießen gegen die Streben eines Eisenzaunes, wo es nach Holunder, der noch nicht blühte, duftete und – igitt!

Hier erstarrte er.

Es stank nach Ziege – klappriger, beinahe toter Ziege. Und nach einem Zauberzelt und alten Weibern und Kräutern und Räucherwerk und ...

Er strauchelte und stürzte, wie es der Zufall wollte, mitten durch ein Loch im Zaun. Eine Strebe war herausgebrochen. Staub wirbelte auf. Er nieste und verlor die Orientierung. Er tastete auf dem Boden umher. Da – Metall! Ein Eisendorn, ein Zeltnagel.

Er leckte sich den Staub des Trampelpfades von den Lippen. Er schmeckte Mineralien, Ziegendung, menschlichen Urin, Holunder und die Sohlen ausgelatschter Riesenschuhe, die nach Kinderfüßen dufteten. Und er schmeckte und roch auch sie. Die Kleine war hier. Ganz nah.

Was dann geschah, wußte er später nicht mehr.

Nur eines ließ sich mit Gewißheit sagen: Eine Gruppe verlorener Kinder, wie er früher eines war, hätte den Schatten um ein Haar totgeschlagen. In einem Erinnerungsfragment blitzte der Griff eines Revolvers aus einem Halfter. Wäre nicht ein Kriminalbeamter dazwischengegangen, hätte er seine Abenteuerlust mit dem Leben bezahlt.

Jetzt kauerte er, eingehüllt in den Wollfilz seines Mantels, im Halbdunkel eines Raumes auf einem schäbigen Sessel. Es roch nach Zigarettenrauch, Kognak und Schafgarbe.

Und er war nicht allein. Da war noch einer.

Ein anderer. Ein Fremder.

Ein Schauer kratzte ihm über den Rücken.

Im Halbdunkel saß ihm einer gegenüber, der aussah wie sein genaues Gegenteil. Ein Kerl ganz in Weiß, weißer Kittel, weiße Haare, so weiß wie Wolle, wie Schnee.

Kapitel 3

Der Doktor

Der Schatten kniff die Augen zusammen. Draußen schien die Sonne. Hier war es düster. Ein paar Lichtstrahlen flimmerten durch zugezogene Vorhänge und brachen sich in den Kristallen eines Deckenleuchters.

Sein Schädel brummte wie damals, als er fast an einer Methanolvergiftung verreckt wäre. Für eine Mappe mit altem Kritzelkram hatte ihn der Nachbar mit zwei Schnapsflaschen bezahlt, die er besser nicht am Stück weggesoffen hätte. Die Beule an der Stirn, die Prellungen am Kinn und die Gehirnerschütterung, die ihm jetzt zu schaffen machten, gingen auf Stiefeltritte zurück. Das waren Arbeiterstiefel mit genagelten Sohlen. Zum Glück steckten in den Männerstiefeln Knabenfüße, von denen nicht klar war, ob sie jemals hineinwachsen würden. Die Gossenkinder starben ja oft an Typhus und Schwindsucht.

Wo war er nur gelandet?

Sein Sessel war mit braunen Flecken übersät. Gerade richtig für einen wie mich, dachte er. Seine Rippen knirschten. Sie waren geprellt, vielleicht gebrochen.

Ihm gegenüber klirrte jemand an einem Beistelltisch mit zwei Gläsern.

Wer mochte das sein?

Das Ploppen eines Korkens vertrieb das Grübeln. Der Schatten fuhr auf und machte große Augen.

„Durstig?“ Die Frage klang wie eine Diagnose.

Der Mann hielt ihm einen Kognakschwenker unter die Nase. Auch er saß in einem Sessel. Die Polster waren mit weißer Seide bezogen und wie der Herr, der auf ihnen thronte, blütenweiß.

Ohne auf eine Einladung zu warten, leerte der Buchhändler seinen Kognak.

„Sie wissen, warum Sie hier sind?“ Das Gesicht des Unbekannten war in dem Halbdunkel bislang nicht zu erkennen. Am Mittelfinger seiner rechten Hand protzte ein Ring mit sieben Brillanten. „Noch einen?“ Der Fremde ließ die Edelsteine an der Flasche klimpern.

Wer auch immer das war, er konnte Gedanken lesen. Und er war großzügig. „Tausend Dank, werter Freund!“

„Freund?“ Der andere wich zurück. „Ich bin nicht Ihr Freund. Ich bin der Direktor dieser Anstalt.“ Er strich sich über die weiße Brust. „Und Sie sind mein Patient.“

Potz Donner! Was?

„Und Sie stinken“, zischte der, der sich Direktor nannte.

Auf dem Tisch neben den Sesseln schimmerte eine silberne Zigarettenkiste.

Ein Streichholz kratzte über eine Reibefläche.

Der Schatten roch den Zündkopf.

Das Streichholz flammte auf.

Qualmringe pufften herüber.

„Mein Name ist Doktor Georg Tallar.“ Das Wort „Doktor“ betonte er auf beiden Silben. Zwischen seinen Fingern flackerte die Flamme auf dem zum Ende hin abgebrannten Hölzchen. Zeit genug, um im letzten Schein des Feuers in sein Gesicht zu schauen.

Der Buchhändler starrte in zwei stahlblaue Schlangenaugen. Die makellosen Gesichtszüge seines Gegenübers im besten Mannesalter harmonierten mit einem hellen Scheitel. Das Haar, fast weiß wie Wolle, wie Schnee. Das Gesicht war glatt wie eine Wachsmaske.

„Verzeihung“, schnaufte der Schatten, „wo, sagten Sie, sind wir hier?“ Seine Augen tasteten sich durch den Raum.

„Dazu habe ich nichts gesagt“, erwiderte ihm sein Gegenüber. „Ich sagte, ich sei der Direktor dieser Anstalt.“

„Der Direktor.“ Der Schatten scharrte mit dem leeren Glas über die Armlehne seines Sessels. „Nicht mein Freund.“

„Was glauben Sie, wo Sie gelandet sind?“

„Nicht im Himmel.“

„Gewiß nicht.“ Der Direktor zückte Notizheft und Graphitstift aus der Brusttasche seines Kittels.

„Da Sie einen weißen Kittel an sich und einen wohlklingenden Titel vor sich hertragen, vermute ich, daß wir uns in einem Krankenhaus befinden.“

Doktor Tallar ließ die Spitze seines Stiftes über das Papier flitzen.

„Andererseits sieht es hier nicht aus wie in einem Krankenhaus.“ Das wenige Licht, das zwischen den zugezogenen Vorhängen ins Zimmer fiel, genügte, um einige Details zu erkennen. Die Wände waren mit Bücherregalen gesäumt, deren Bretter sich unter der Last alter Folianten bogen. „Wenn ich ehrlich bin, sieht es hier aus wie bei mir.“

„Sie verkommenes Subjekt!“ Spätestens jetzt bestand kein Zweifel, daß der Direktor alles, nur kein Freund war. „Meine Sammlung ist von Bedeutung. Ihr Kellergrab war vollgestopft mit Müll.“

Das tat weh.

„Was für ein Arzt sind Sie überhaupt?“

„Raten Sie!“

„Bücher, Bücher, Bücher“, sinnierte der Antiquar. „Und die da.“ Er zeigte auf querliegende Folianten hinter dem Doktor. „Sind das Palimpseste?“

Tallar hob die linke Augenbraue.

„Die interessantesten sind Texte aus vorchristlicher Zeit“, erläuterte der Buchhändler. „Diese Pergamente haben religiöse Eiferer mit dem Radiermesser verstümmelt und mit frommen Werken überkritzelt. Nur ein Experte ist imstande, zum Ursprung dieser abgeschabten Schriften vorzudringen. Sie machen nichts anderes“, folgerte der Bücherkenner. „Sie löschen Episoden aus dem Gedächtnis Ihrer Patienten und überschreiben sie mit neuen. Sie wühlen in den Erinnerungen. Sie decken auf, und Sie decken zu. Klarer Fall, Sie sind Psychiater. Und wenn Sie ein Irrenarzt sind“, überlegte der Schatten, „befinden wir uns im Irrenhaus.“

„Weil?“ hakte Tallar nach.

Der Buchhändler zögerte. „Weil ich irre bin?“

„Schwere Geburt.“ Der Doktor atmete auf. „Sie sind irre, meschugge, plemplem, bekloppt – wie Sie wollen.“ Er lachte gehässig.

Der Buchhändler verschränkte die Arme. „Was heißt hier schwere Geburt? Sie haben doch selbst ’n Ding an de Jondel. Sehen Sie sich mal um!“

Zwischen den Büchern reihten sich Einmachgläser aneinander. Sie waren gefüllt mit medizinischen Präparaten, Embryonen in Formalin. Das waren gläserne Gebärmütter.

„Ich“, meinte der Arzt, „trage einen weißen Kittel, der nach Seife duftet.“

„Nicht jeder kann sich ein Rasierwässerchen leisten, das nach Schafgarbe und Pinke riecht. Aber in einer Klinik tragen die Patienten normalerweise weiße Kittel, die nach Lavendel und Seife duften.“

„Für Sie gelten die Anstaltsregeln nicht.“

Dem Schatten wurde mulmig. „Wieso?“

„Weil Sie mein Patient sind.“

Kapitel 4

Der Mörder

„Ich weiß nicht, ob mich diese Vorzugsbehandlung freuen oder beunruhigen soll.“ Der Schatten kratzte sich den kahlen Kopf. Ohne den Schnaps hätte er längst das Weite gesucht.

„Wer redet denn von Vorzugsbehandlung?“ Tallar tat erstaunt. „Ich sagte, Sie seien mein Patient.“ Seine Schlangenaugen schimmerten. „Ob Sie sich damit wohl fühlen, interessiert mich nicht.“

„Was wollen Sie von mir?“

„Gerechtigkeit.“

Hier paßte nichts zusammen.

„Gerechtigkeit durch Reue und Reue durch Einsicht.“

„Was hat das mit mir zu tun?“ Wenn der Schatten nicht aufpaßte, würde das übel für ihn enden.

„Erinnern Sie sich an Ihre Verhaftung? Und das Verhör?“

„Verhör? In der Roten Burg am Alex?“ Das Polizeipräsidium war nicht weit von der Grenadierstraße entfernt. Die Herrschaften kannten ihre Klientel und schätzten den Komfort kurzer Wege. Aber: „Mein Gewissen ist rein.“

„Ach!“

„Hier liegt ein Mißverständnis vor.“

„Ach!“

„Ein gewaltiges Mißverständnis.“

„Ach!“ machte Doktor Tallar zum drittenmal.

„Ich habe mit der Sache nichts zu tun.“

„Womit nichts zu tun?“

„Sie wissen schon ...“

„Was weiß ich?“

„Das Mädchen.“

„Was ist mit dem Mädchen?“

„Es“, stockte der Schatten, „... ist ... tot?“ Jetzt war es heraus.

„Also wissen Sie wieder, daß Sie“ – Hypnoseaugen! – „das Mädchen“ – Achtung, ein Hinterhalt! – „ermordet haben?“

„Nein und nochmals nein!“

Der Arzt schrieb eine Bemerkung in sein Heft. „Wenn Sie es nicht waren, wer war es denn sonst?“

Der Schatten machte eine abwehrende Geste.

„Schade“, meinte der Psychiater. „Ich dachte, wenn’s einer weiß, dann Sie.“

„Ja, wenn das so ist.“ Die Augen des Buchhändlers wanderten durch den Raum und suchten nach einem Anhaltspunkt für eine Erklärung. Im unteren Regalfach hinter dem Arzt blieb sein Blick an einer Sammelmappe aus Leder hängen. „Die da kenne ich.“

Tallar drehte sich um. „Wissen Sie, was drin ist?“

Und ob er das wußte. Das war der Kritzelkram, den er dem alten Juden für zwei Flaschen Schnaps verkauft hatte. Farkojft, um genau zu sein, und dann hatte das Schicksal seinen Lauf genommen.

Äußerlich war der Schatten still. Der Doktor versuchte, ihm etwas anzuhängen. Das tote Mädchen! Und Kognak gab es auch keinen mehr. „Kann ich gehen?“

„Gehen?“ Das Echo des Doktors offenbarte, daß dieses Ansinnen absurd war. „Sie haben meine Frage nicht beantwortet.“ Er hielt die Luft an und rückte, Nasenspitze an Nasenspitze, heran. „Wenn Sie es nicht gewesen sind, wer war es dann?“

„Das fragen ausgerechnet Sie?“

Wie sollte er es ausdrücken, ohne den Direktor zu verärgern?

Der Arzt hieb mit der flachen Hand auf die Lehne seines Sessels. „Reden Sie!“

Der Schatten hatte eine Idee. Die Geschichte – die Erklärung – lag bereit. Er blickte zur Decke und sprach: „Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging, daß alle Welt geschätzet würde. Da machte sich auch auf“, fuhr der Buchhändler fort, während seine Stimme in einen Singsang kippte, „Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt David, die da heißet Bethlehem.“

Der Psychiater verlor die Geduld. „Schluß damit! Wer ist es gewesen?“

„Der Rabbi – wegen der Sterne. Oder ... nein, warten Sie, das Mädchen selbst. Nein, besser!“ Der Patient zog den Kopf zwischen die Schultern, sammelte all seinen Mut und flüsterte: „Das waren Sie.“

Schweigen legte sich über die Szene. Dann lachte der Doktor trocken, als habe er einen schlechten Scherz gehört. „Ich?“

Der Antiquar tat gequält. „In aller Deutlichkeit: Das Mädchen ...“ Er schluckte. „Das tote Mädchen geht auf Ihre Kappe.“

„Und wie, bitte schön“, knurrte der Psychiater, „soll ich das gemacht haben?“

„Sie haben das Jüngste Gericht heraufbeschworen, um dem Satan die Herrschaft auf Erden zu verschaffen. Ich habe versucht, es zu verhindern. Dabei ist die Kleine leider draufgegangen.“

Tallar starrte sein Gegenüber mit offenem Mund an. Nur das Ticken der Kommodenuhr und das Röcheln aus dem Mantel waren zu hören. „Wissen Sie“, sagte er, nachdem er seine Fassung zurückerlangt hatte, „um ein Haar hätte ich Sie für schuldfähig befunden.“

Der Buchhändler zuckte stumm mit den Schultern.

„Beinahe“, sagte der Doktor und tippte sich an die Stirn, „hätte es einen Prozeß gegeben, und man hätte Sie hingerichtet. Sehen Sie, unsereiner“, sagte er und zeigte mit den Daumen auf seinen Kittel, „hat’s nicht leicht. Jeden Tag Kretins, Epileptiker, Hysterische, Alkoholiker und Morphinisten. Denken Sie, daß ein Arzt darin einen Sinn entdecken kann?“

Der Schatten räusperte sich.

Tallar knallte seine Ringhand auf den Tisch. „Kretins und Epileptiker behandelt man, wenn man ein Menschenfreund ist, mit einem Zuckerwürfel, Konfekt, einer Praline, was Sie wollen.“ Er machte eine Pause, fügte dann jedoch „und Zyankali“ hinzu. „Die Hysterischen, vor allem Frauen, therapiert man mit dem Stock. Bleiben die Süchtigen. Die sind verloren. Ihr alle seid des Lebens nicht wert, und jemand wie ich vergeudet sein Leben, weil eures nicht enden will.“

Der Antiquar, dem der Alkohol und die Prügel schwer zugesetzt hatten, begann, sich zu fürchten. Der Doktor war kein Doktor. So sprach der Teufel.

Tallar faltete die Hände und lächelte spitz. „Am Ende bereuen Sie.“ Er kritzelte in sein Notizheft. „Also, zurück zur Ausgangsfrage: Das Mädchen, wer hat’s umgebracht?“

„Wie ich sagte“, antwortete der Buchhändler kleinlaut, „das waren Sie.“

Tallar notierte etwas in unleserlicher Kurzschrift. „Verraten Sie mir, wie?“

Kapitel 5

Der Siebenschläfer

Der Schatten fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und schielte zu der Kognakflasche, die sich unter der Kontrolle des Doktors befand. „Die Geschichte wird ein Weilchen dauern.“

„Daran soll es nicht scheitern“, meinte Tallar mit gespieltem Verständnis und goß ihm ein.

Der Patient führte das Glas zum Mund und nahm einen Schluck. „Sonntag, 25. März 1900.“ Jetzt hatte sein Blut den richtigen Pegel. „An Mariä Verkündigung“, ergänzte er. „Noch hielt der Siebenschläfer Winterschlaf, aber der Frühling kam. Vater und Tochter spazierten durch Berlin.“

Tallar nickte. „Noch ein Gläschen?“

Der Schatten öffnete seinen Mund, aus dem wenige braune Zähne hervorlugten. Dies war seine Art, zu lächeln.

⁂

„Der Siebenschläfer ist ein schlaues Geschöpf“, erklärte Gustav Zille seiner Tochter, die er an der Hand führte, als wäre sie ein kleines Mädchen. Doch Hildegard, Hilda, war mit ihren vierzehn Jahren alt genug, um von einem Bräutigam zu träumen.

Sie trug ein weißes Sonntagskleid und hatte ihr blondes Haar zu zwei dicken Zöpfen geflochten, die ihr über den Rücken fielen. Sie sah den Vater aus himmelblauen Augen an.

„Was ist mit dem Siebenschläfer?“ Von Siebengescheiten hatte sie gehört. Das waren Menschen, denen man nichts vormachte, eben weil sie siebenmal gescheit waren. „Wenn ich groß bin“, hatte sie schon vor Jahren entschieden, „werde ich auch eine Siebengescheite.“

Darüber hatte der Vater gelacht, ihr einen Kuß auf die Wange gedrückt und gerufen: „Neunmalklug bist du schon.“

„Neunmalklug.“ Heute war Sonntag, und sie schwänzten die Kirche, um auf den Rummel zu gehen. Schaukelboot, Riesenrad, Losbude und gebrannte Mandeln, bis einem schlecht wird.

„Möchtest du wissen, warum der Siebenschläfer schlau ist?“ fragte der Vater.

„Keine Ahnung“, meinte Hilda. „Er verpennt sein Leben?“

Es war fast zwölf Uhr mittags. Seit drei Stunden zerrte ihr Papa sie am Arm quer durch Berlin. Sie hatte sich den Tag anders vorgestellt. Denn am Morgen hatte Vater Gustav seiner Tochter zugezwinkert. Sie bestätigte den Bund und zwinkerte ebenso verschlagen wie unauffällig zurück. Kurz darauf wanderte eine Handvoll Münzen aus der Haushaltskasse in Gustavs Hosentasche. Die Beute würden sie nach alter Räubersitte auf den Kopf hauen.

Von ihrem Heim in Charlottenburg bis zum Rummel in der Hasenhaide fuhr man mit der Droschke an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei. Aus einem Grund, der sich ihr nicht erschließen wollte, waren sie geradewegs über die Charlottenburger Chaussee gerasselt, durch das Brandenburger Tor die Linden entlanggeschossen und hinter der Dombaustelle am Lustgarten ausgestiegen. Von dort hetzten sie zu Fuß weiter durch eine Gegend, die Hilda nicht gefiel.

„Der Siebenschläfer“, nörgelte sie, „ach, wie schlau. Warum sind wir nicht auf dem Rummel?“

„Wir machen einen Umweg“, vertröstete sie der Vater.

Das war eine halbe Weltreise. „Und was soll der Blödsinn mit dem Siebenschläfer?“

„Der Siebenschläfer, Kind, lebt auf der Sonnenseite. Er zieht sich in den grauen Monaten bis an den Rand des Todes zurück und schläft. Aber sein Herz, das wacht.“

Mitten in ihrem aufkommenden Wutanfall streifte ihr Blick ein Eschenbäumchen, das die Äste voller Zuversicht in die Luft streckte und seine löchrige Krone der Sonne zuwandte. An seiner Rinde hatten Burschen ihr Messer probiert. Doch die Wunden waren vernarbt, ohne das Bäumchen am Wachsen zu hindern. Pennbrüder und Hunde schlugen gewohnheitsmäßig ihr Wasser an dem Stamm ab, den ein Mädchen mühelos mit beiden Händen umgreifen konnte. Hilda sah, wie sich ein weißes Täubchen im Wipfel niederließ. Die Wut auf den Vater verflog, und ihre Neugier wuchs.

Auf der Straße war der Teufel los. Zwischen Klappern und Feilschen wehte eine Brise aus Essig und vergorenem Abfall. Was hatte der Vater hier zu suchen?

Hilda sah Männer in schwarzen Mänteln mit seltsamen Hüten, unter denen lange Bärte rauschten. Sie drängelten zwischen Bretterbuden, fliegenden Händlern und streitenden Frauen. Wer nicht in Eile war oder wuselte, diskutierte mit seinesgleichen darüber, ob und, wenn ja, wann der Messias käme.

Da sind wir einmal falsch abgebogen und am anderen Ende der Welt gelandet.

„Christ ist erstanden“, wimmerte es von der Ecke zur Münzstraße hinter der Kaiser-Wilhelm-Straße.

„Von der Marter alle.“ Weiter wagte sich die Abordnung der Stadtmission zur Bekehrung der Israeliten nicht hinein.

„Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein, Kyrieleis.“

Die Missionare waren schon drei Wochen vor Ostern hierher marschiert, um das Evangelium zu verbreiten, aber niemand beachtete sie.

Der Vater war offensichtlich häufiger hier. Warum hatte er sie nie mitgenommen?

Vater Gustav schien in einer Zwickmühle zu stecken. Er wollte ein Geschäft abwickeln, von dem seine Frau nichts erfahren durfte. Sie litt es nicht, daß er sich in Trödelläden herumtrieb und Utensilien für seinen Börsenhokuspokus kaufte. Solcher Klimbim verunstaltete ihrer Meinung nach das großbürgerliche Flair in ihrem Zuhause. Wenn sie ihn dabei erwischte, gab es Ärger. Solcherlei Anschaffungen tätigte Gustav heimlich, und der Kram verschwand in seinem Schreibtisch.

Aber jetzt? Was blieb ihm übrig? Ha! Er muß Schweigegeld bezahlen. Hilda rechnete: Wieviel er wohl hatte? Ein Griff in die Haushaltskasse brachte selten unter zehn Mark.

„Wau, wau, wau!“ Ein schwarzer russischer Königspudel bellte.

„Höllenhund!“ schrie Hilda.

„Der tschepet doch kejnem nischt“, beschwichtigte eine Frau, die ihr kurzes Haar unter einer Perücke verbarg. „Der tut nichts.“

Hilda hielt die Luft an und zwängte sich an dem Wachhund vorbei, den eine Eisenkette an den Zaun vor einer Kellertreppe bannte. An der Kellertür baumelte eine Schiefertafel, auf der mit Kreide „Buchantiquariat, An- und Verkauf“ geschrieben stand. Der Name des Inhabers war verwischt. Wie zur Warnung hatte jemand einen Vers auf das Schild gekritzelt. Weil Hilda auf ein damenhaftes Schriftbild in ihren Schulheften pfiff, bereitete ihr das Entziffern keine Schwierigkeiten.

Ihr, die ihr eintretet, laßt alle Hoffnung fahren!

Kapitel 6

Der Hexenfreund

Eine Glocke bimmelte über der Tür.

„Willkommen!“ lockte eine vom Alkohol aufgerauhte Stimme.

Hilda kniff die Augen zusammen. Es gelang ihr nicht, den Besitzer des Kellerantiquariats zu erkennen. Wie der Name am Schild vor der Tür war seine gesamte Erscheinung verwischt. Die Silhouette hatte keinerlei Konturen, sein Gesicht – ein grauer Fleck.

⁂

„Ein Scheusal“, warf Doktor Tallar ein, „das nicht den Schneid besitzt, in den Spiegel zu schauen.“

„Sie baten darum“, sagte der Patient und tippte auf seine Brust, „meine Version der Ereignisse zu hören.“

„Schon gut“, meinte der Arzt.

„Nichts ist gut. Wir wissen beide, daß Sie hinter allem stecken. Ich bestehe darauf, nicht weiter gestört zu werden!“

„Versprochen.“ Der Psychiater nickte gönnerhaft mit halbgeschlossenen Augen.

„Also“, begann der Schatten von vorn, „eine Glocke bimmelte über der Tür.“

⁂

Der Buchhändler breitete seine Arme aus und führte den Vater ins Innere. Man lief Gefahr, in den engen Regalreihen einen Bücherstapel umzurempeln.

Hilda, die für den Herrn Papa nicht mehr zu existieren schien, folgte den beiden, bis sie an eine Wendeltreppe gelangte. In neun Kreisen ging es hinab und – Brr! Bitterkalt! Sie landete im ehemaligen Eiskeller. Hätte auf dem Tisch in der Mitte nicht eine Talglampe ihren orangefarbenen Schein in den Raum gezittert, man hätte die Hand vor Augen nicht gesehen.

„Bitte, Herr Zille!“ Der Schatten zeigte auf einen Pergamentband. IOANNIS VVIERI, De Praestigiis Daemonum, Basel 1577.

Vater Gustav hielt den Atem an und wagte nicht, den Deckel zu öffnen.

„Nur zu“, ermunterte ihn der Antiquar und drehte sich daraufhin zu Hilda. „Spielst du gerne mit Puppen?“

Dumme Frage. Und ob! wollte sie antworten, besann sich aber, daß sie dafür schon zu alt war. Andererseits? Wer hätte sie hier unten beobachten können?

Also: „Hm“, druckste sie.

Auf dem Tisch lagen drei Puppen. Die waren nicht nach Hildas Geschmack. Welcher Mann, bitte schön, trägt weiße Kleidchen?

„Das sind Brutus, Cassius und Judas“, belehrte sie der Antiquar. Seine Finger strichen über die Holzgesichter.

Hilda gähnte.

„Brutus und Cassius haben Julius Caesar ermordet“, erklärte der Schatten, „ihren Freund und Herrscher. Caesar war der Wegbereiter des Römischen Kaiserreiches.“

„Das ist nur die halbe Wahrheit, oder?“ Hilda zweifelte.

„In Wirklichkeit waren sie Agenten Gottes.“

Das klang nach den Hirngespinsten eines Verrückten.

„Sie haben Satans Plan durchkreuzt.“

„Und was ist mit Judas?“

Der Schatten seufzte. „Der hat in dem Erlöser Gott selbst verraten. Am Ende wurde er ein Opfer seiner eigenen Courage, hat erworben den Acker um den ungerechten Lohn und sich – je nachdem, wen man fragt – erhenket oder ist mitten entzwei geborsten und hat alle seine Eingeweide ausgeschüttet.“

Er wandte sich wieder dem Vater zu und erklärte ihm das geheimnisvolle Buch. „Doktor Johannes Weyer, der berühmte Hexenfreund“, flüsterte der Buchhändler. „Wollen Sie wissen, was es mit dem Teufel und seiner gespenstischen Dienerschaft auf sich hat, so finden Sie in diesem Buch die Antworten.“

Der Vater blätterte durch das Werk. „De Diabolo, eius origine, studio et potentia“, las er und kratzte sich fragend am Kopf.

„Vom Teufel, seinem Ursprung, Wirken und seiner Macht.“ Die Worte des Schattens pufften wie Kristallwölkchen in die Eiseskälte. „Bevor der allmächtige Gott die sichtbare Welt erschuf, da erschuf er auch die dem Auge verborgene, die unsichtbare Welt, die Welt der Dämonen. Einst waren alle Geister gut, doch als sie sich erkühnten, dem Schöpfer gleich zu sein, da warf sie Gott aus dem Himmel und stürzte sie in den Abgrund der Hölle.“

Der Vater konnte den Drang nachvollziehen, Gott ebenbürtig sein zu wollen. „Sagen Sie mir, Freund, wie trete ich mit dieser Geisterwelt in Verbindung?“

„Wie einst Misraim“, antwortete der Antiquar, „der Sohn Chams, der Enkel Noahs. Er war der erste, der das Zauberhandwerk von den Mächten der Finsternis erlernte. Von Misraim haben es die Ägypter, Babylonier, Perser, und von dort ging’s fort in alle Welt.“

„Mich interessiert nur das Geld“, gestand der Vater.

„Dann ist es Astaroth, den Sie zu Rate ziehen müssen, denn der drachenreitende Herzog ist allwissend. Er kennt die Verstecke aller Schätze.“

Die Glocke an der Ladentür läutete. Wer mochte das sein? Hilda erschrak. Wenn derjenige sie hier unten sähe – mit den Puppen! Cassius war ein Langweiler, den sie die ganze Zeit ignorierte, und dem kleinen Judas mit den roten Haaren traute sie nicht über den Weg. Mit Brutus spielte sie Ringelreihen und übte das Küssen. Das gibt Getuschel. Sie sprang auf, gab Brutus einen Fußtritt und pfiff, als wäre nichts gewesen.

In der Etage über ihnen tappten Schritte.

Ende der Leseprobe

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